Wie du deine Geldflüsse am besten im Blick behältst

Hinsehen hilft

Wie behältst du deine Finanzen am besten im Blick? Na, indem du ganz einfach hinsiehst.

 

Das hört sich trivial an - ist es auch. Dennoch haben erstaunlich viele Leute keinen Überblick über ihre alltäglichen Geldflüsse.

 

Da war zum Beispiel dieses Ehepaar, dass zu den Gutverdienern gehört, aber einfach nicht aus dem Dispo raus kam. Warum? Es stellte sich heraus, dass er für seine Dienstreisen immer in Vorleistung gehen musste, und dadurch den Dispo belastet hat, und zwar nicht zu knapp. Durch die anfallenden Zinsen, ging der Dispo immer weiter ins Minus. Bescheuert, irgendwie, aber kein Einzelfall. Sie hätten einfach mal richtig hinsehen müssen. Die Lösung: Dispo klären, ein Polster für die Dienstreisen ansparen, oder sich immer einen Vorschuss vom Arbeitgeber holen. 

 

Gut, Du musst also hinsehen. Aber wo fängst du an?

Wo fängst du an?

Wo du anfängst? Am besten von vorne. Wo ist vorne? Bei deinen Einnahmen.

 

Als erstes stellst du deine Einnahmen auf.

  • Erster Punkt also: Wie viel kommt rein?

Das sollte recht einfach zu bewerkstelligen sein. Liste alles auf, was du monatlich als Geldeingang auf dein Konto bekommst.

  • Zweiter Punkt: Wie viel geht raus? 

Dann wird's spannend, denn nun kommen wir zu deinen Ausgaben. 

 

Wenn du nicht weißt, wie viel du im Monat ausgibst, dann musst du einen Blick auf dein Konto werfen: Wie viel blieb im Schnitt in den letzten 12 Monaten am Monatsende übrig?

 

  • Einnahmen versus Ausgaben

Der Blick auf dein Konto hat es dir schon gezeigt: Im Schnitt wirst du Betrag X übrig haben, bei Null landen, oder sogar im Dispo stecken. 

  • Wie viel sollte übrig bleiben?

Es sollte auf jeden Fall etwas übrig bleiben, denn du brauchst so viel Geld wie möglich für deine Altersvorsorge. Als Pi mal Daumen-Richtwert wird oft gesagt, dass man mindestens 10% von seinem Netto-Einkommen für die Altersvorsorge aufwenden sollte. Es kommt auf die individuelle Situation an, aber ich kann dir sagen, dass ich 25% meines Einkommens für meine Altersvorsorge investiere. Ich komme sonst später nicht auf meine Wunschrente. 

 

Mikromanagement: Ausgaben

Um nun zu einem befriedigenden Geldmanagement zu kommen, musst du mehr ins Detail gehen. 

 

  • Fixkosten

Du hast natürlich Fixkosten wie Miete, Versicherungen, GEZ, Internet, Unterhaltszahlungen, Medikamente, Pille, Kredite, u.ä.. Die stellst du als erstes zusammen. 

 

BTW: Ich habe keine Kinder, daher weiß ich nicht, was neben Windeln, Brei u.ä. für Kinder aufgewendet werden muss, und ob es für dich Sinn macht, solche Ausgaben als Fixkosten zu definieren, weil daran nix zu rütteln ist.

 

  •  Variable Kosten

Dann kommt der ganze Rest: Wie viel gibst du neben deinen Fixkosten im Monat aus, und wofür? 

 

Mitgliedschaften und Abos würde ich eher als variable Kosten definieren, denn sie sind in den meisten Fällen nicht Überlebensnotwendig. 

 

Wenn du keine Ahnung hast, wie viel du für Essen, Party, Klamotten, Kosmetik, Urlaub, Geschenke, Fitnessstudio, Bücher, Hobby usw. ausgibst, hilft ein Blick auf deine Kontoauszüge. Es sei denn, du zahlst viel in bar. Dann wirst du in den nächsten 1-3 Monaten deine Ausgaben mal näher betrachten müssen. Das solltest du aber sowieso tun, denn andernfalls werden dir deine Sparpotentiale nicht ins kritische Auge fallen. 

 

Je detaillierter du deine Ausgaben beziffern kannst, desto bewusster wirst du damit umgehen. Desto besser kannst du eben auch sehen: Aha, da gebe ich viel mehr aus, als ich dachte. Muss das sein? Tut es mir weh, wenn ich hier weniger ausgebe?

 

Ausgaben tracken & Ausgaben eingrenzen

Wie oben schon angedeutet: Bei der Frage, wo man Sparpotentiale identifizieren kann, klingt der Haken oft so: "Öhm, keine Ahnung, wie viel ich wofür ausgebe."

 

Wenn es dir so geht, dann hast du verschiedene Optionen:

 

  • Option 1: Haushaltsbuch führen

Es kommt immer darauf an, wie du drauf bist. Vielleicht hast du Spaß daran, ein Haushaltsbuch zu führen und deine Ausgaben auf diese Weise im Blick zu halten und zu optimieren. Das ist definitiv die Königsklasse in Sachen Geldmanagement.

Wenn es bei dir sowieso knapp ist mit Geld, und/oder du deine Kontostände gedanklich gerne komplett ausblendest, dann ist ein detailliertes Ausgaben-Tracking extrem hilfreich und Augen öffnend. 

 

So kannst du genau sehen, wofür dein hart verdientes Geld draufgeht. Wenn man alleine schon Ausgaben für z.B. "Essen gehen" mal in geballter Summe für den ganzen Monat sieht, erkennt man eher, dass man sich vielleicht zwei Mal im Monat weniger Sushi gönnen könnte, damit aber seine Ausgaben um einen feinen Betrag senken kann. Peut á peut häuft sich das an, und einzelne Einsparungen läppern sich am Ende Monats. 

 

Es gibt mittlerweile einige Apps, mit denen man Ausgaben einfach und schnell erfassen kann (such z.B. nach MoneyControl). Wenn du mit Excel nix am Hut hast, dann wäre das die Alternative - oder eben die gute alte Kladde aus Papier. 

 

Auf diese Weise siehst, du wie viel du wirklich brauchst, worauf du verzichten kannst, und wie viel Budget du für die einzelnen Ausgabenposten ansetzen kannst.

 

  • Option 2: Budgets festlegen - die Lazy-Variante

Vielleicht bist du aber auch wie ich, und kriegst schon zu viel, wenn du das Wort "Haushaltsbuch" nur hörst. Dann gibt es die Lazy-Variante, um deine Ausgaben im Griff zu behalten:

 

Du kannst einfach abschätzen, wie viel du dir monatlich für einzelne Ausgaben erlauben willst. Du setzt dir quasi Minibudgets für all deine Posten. Die sollten natürlich so realistisch wie möglich sein. Dann addierst du alle Budgets zusammen und kommst so auf die Summe, die du im Monat für alle deine variablen Kosten ausgeben willst. Nach 1-3 Monaten solltest du ungefähr klar haben, ob das für dich funktioniert, oder ob du dein Monatsbudget nach oben setzen solltest (wirklich notwendig?) oder es nach unten setzen kannst.

 

  • Option 3: Lazy-Variante andersrum

Ehrlich gesagt, bin ich für mich ganz anders vorgegangen: Ich habe die Summe definiert, die ich monatlich mindestens für meine Altersvorsorge zurücklegen will. Dann habe ich überschlagen, ob ich abzüglich meiner Fixkosten mit dem Rest hinkomme. Ja, es ist hingekommen, bzw. meine Devise war: so viel bleibt dir, also komm damit aus. Im Laufe der Zeit konnte ich meinen Sparbetrag sogar noch nach oben korrigieren, da ich durch bewussten Konsum weniger ausgebe. Meinen Sparbetrag betrachte ich mittlerweile als Fixkosten, so wie es Miete und Krankenversicherung auch sind.

Bewusster konsumieren

Gleichzeitig, also während du dein Haushaltsbuch führst, oder mit deinen Budgets rumprobierst, konsumierst du idealerweise schon bewusster: Brauch ich das wirklich? Ist es das wert? Ist das Geld für mein späteres Ich nicht womöglich besser investiert? Je weniger du ausgibst, desto mehr bleibt für deine Altersvorsorge.

 

Vielleicht fallen dir bei der Aufstellung deiner Ausgaben schon Posten auf, die du optimieren kannst: Ein Anruf bei der KFZ-Versicherung kann schonmal einige Euro im Jahr weniger bedeuten. Nutzt du das Netflix-Abo im Moment? Gehst du wirklich noch ins Fitness-Studio? Liest du Zeitung eigentlich, bzw. kannst du sie digital günstiger bekommen? Check das am besten alles mal, sobald du deine monatlichen Verbindlichkeiten zusammengestellt hast. Schreib dir auf, wo du Sparpotential siehst, und setze es um.

 

Ich finde, man sollte bei der ganzen Spargeschichte aber nicht ausrasten. Du hast ja schließlich ein Leben, und das kostet nunmal Geld. Spare ein, wo es Sinn macht, und es dir nicht weh tut. 

 

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