Aus diesem Grund würde der Homo Oeconomicus passiv in ETFs investieren

Der Homo Oeconomicus ist das wirtschaftswissenschaftliche Modell eines rationalen Maximierers. Wäre er real, würde er all seine Möglichkeiten kennen und stets emotionslos jene Option wählen, die ihm den ökonomisch größtes Nutzen beschert. 

Die passive Investorin kommt ihm wohl in der Realität am nächsten. Der Grund dafür liegt in der nahezu perfekten Rationalität des passiven Investierens. Die passive Investorin nimmt sich wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage ihrer Investments und minimiert die Gefahr, irrational zu handeln. 

So schafft sie es mit maximaler Zeitersparnis, minimalen Kosten und optimaler Diversifikation vom Aktienmarkt zu profitieren, ohne die Freizeit mit Finanzmarkt-Analysen zu torpedieren. 

Maximale Zeitersparnis

Die klassische Aktien- und Immobilieninvestorin investiert viel Zeit in die Auswahl ihrer Investitionen. In Einzelaktien zu investieren erfordert nicht nur Kenntnisse zur Analyse fundamentaler Unternehmensdaten, sondern auch Erfahrung.

Es muss also die Bereitschaft vorhanden sein, langfristig an der eigenen Strategie zu feilen und sich durch unvermeidliche Fehler nicht entmutigen zu lassen. Durchhaltevermögen und Spaß an der Sache sind Voraussetzungen, die nicht jede Investorin mitbringt.

 

Wenn man sich als Laie einarbeitet, kostet das zu Beginn sehr viel Zeit. Wären wir eiskalte   Rationalisiererinnen, wäre uns der Aufwand egal. Wir würden im Sommer aufs Grillen im Park verzichten. Lieber würden wir uns vor den Computer klemmen um uns der ökonomischen Nutzenmaximierung zu widmen. 

 

Das soll nicht heißen, dass jene Frauen, die Einzelaktien und andere Investments bevorzugen, asoziale, spaßlose kalte Fische sind. Im Gegenteil, es sagt natürlich überhaupt nichts über sie aus, außer, dass sie von Selbstbewusstsein und Zielstrebigkeit zeugen.

 

Jedoch haben meines Erachtens die meisten Frauen eher Bock auf einen geselligen Abend mit einer gepflegten Flasche Bier, als auf die Pflege des Aktiendepots - wenn sie zwischen beiden Optionen wählen müssten.

 

Das Gute ist, dass wir mit der Strategie des passiven Investierens die geringstmögliche Zeit aufwenden müssen. Wir wissen genau, wann wir welche ETFs in welcher Gewichtung kaufen, lassen sie dann 15, 20, oder 30 Jahre liegen (buy & hold-Strategie), und müssen währenddessen nur einmal im Jahr das Gleichgewicht im Depot wieder herstellen.

 

Weniger Zeitaufwand als passiv mit ETFs geht wirklich nicht. 

Minimale Kosten

ETFs weisen im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds nur geringe laufende Kosten auf. Die Prognose für die kommenden Generationen lautet, dass wir ein so rasantes Wirtschaftswachstum wie in den letzten Jahrzehnten nicht wieder sehen werden. Dies allein ist schon ein Grund, die Kosten der Investments möglichst gering zu halten, denn Kosten fressen einen Großteil der Rendite.

 

Je geringer man die Kosten hält, desto positiver wirkt sich das auf die Rendite aus. Vielen ist das nicht klar, weil sie die langfristige Auswirkung der Kosten ziemlich unterschätzen. Dabei wirkt sich schon 1 Prozentpunkt langfristig extrem auf die Rendite aus. Während ein aktiver Fonds um die 2 bis 5 Prozent kostet, ist ein ETF schon für 0,2 Prozent zu haben. Günstiger als ETFs geht bei Fonds nicht. 

 

Ausreichend Startkapital ist eine Voraussetzung für Einzelaktien. Wenn ich monatlich 50 Euro für Börseninvestments zurücklegen kann, ist das für Einzelaktien nicht viel. Eine anständige Streuung bekommt man mit wenig Kapital kaum hin.

 

Der große Vorteil von ETFs ist, dass auch Frauen, die nicht üppig verdienen, am Aktienmarkt teilhaben können.

Optimale Diversifikation

Die Investition in Fonds an sich ist eine gute Möglichkeit, um das Verlustrisiko zu senken. Je breiter man das Portfolio diversifiziert, desto besser gleicht man Risiken aus. ETFs sind als Abbild verschiedenster Indizes ein simples Vehikel, das eine breite Streuung der Aktien ermöglicht. Einfacher als mit ETFs geht es nicht. 

Vermeidung psychologischer Fallstricke

 Hat man die Strategie des passiven Investierens einmal verinnerlicht, ist man vor der eigenen Psyche so gut wie gerettet. Börse hat fast ausschließlich mit Psychologie zu tun. Als Anfängerin ist es wichtig, das erstmal zu begreifen. Börsenkurse spiegeln letztendlich nur Erwartungen wider.

 

Fängt man einmal mit Aktien oder Kryptowährungen an, wird der Spieltrieb geweckt. „Gier frisst Hirn“ ist ein klassischer Spruch in der Börsenpsychologie. Es stimmt, und besonders Daytrader brauchen einige Jahre an Erfahrung und meistens saftige Niederlagen, um die eigenen Emotionen in den Griff zu bekommen. Das ist das eigentliche Geheimnis: Eine Strategie zu haben, und diese konsequent durchziehen. Das ist sehr (!) viel schwieriger als man glaubt. 

 

Wenn man über das entsprechende Durchhaltevermögen und die Motivation verfügt, so spricht meiner Meinung nach nichts gegen Einzelaktien und Kryptowährungen. Das kann richtig Spaß machen. Es ist eine Typfrage, ob man seine Zeit dafür investieren will oder eben nicht.

 

Beschäftigt man sich mit den wissenschaftlichen Grundlagen des passiven Investierens und gelangt zu der Überzeugung, dass diese verlässlich und richtig sind, so hat man mit den Psychofallen an der Börse kaum noch etwas zu tun. Nicht zuletzt darin liegt die Genialität dieser Strategie. 

Rational investieren ist mit ETFs einfach

Als Homo Sapiens zumindest, der sich von den Faktoren Zeit und Emotion nicht befreien kann, ist es die ideale Möglichkeit, mit minimalem Zeitaufwand vom Aktienmarkt zu profitieren. Da könnte vermutlich auch der unsägliche Homo Oeconomicus nicht widerstehen.