Volatilität verstehen, um das Risiko von Aktieninvestments besser zu verstehen

Mal ehrlich, wenn man als Anfängerin an Aktien denkt, dann denkt man so: „Ich riskiere mein ganzes Geld. Wenn ich da 5000 Euro reinstecke und die Kurse abschmieren, sehe ich die Kohle nie wieder.“ Und da hört man dann schon auf, weiter über Investitionen an der Börse nachzudenken.

 

Das ist ein bisschen doof, denn de facto ist es ja so: Erst wenn du deine Aktien verkaufst, realisierst du entweder einen Verlust oder einen Gewinn. „Ja schön“, denkst du, „Is doch furzegal, ob ich das dann realisiere oder nicht. Weg is weg“. Nicht ganz.

Lehrbeispiel Dotcom-Blase

Um die 2000er Jahre herum gab es die sogenannte Dotcom-Blase, provoziert durch die New Economy-Theorie. Die New-Economy-Theorie ging davon aus, dass die zukünftige Wirtschaft hauptsächlich durch Dienstleistungen, Innovations- und Informationsvorsprung  bestimmt sei. Internet: Das war DAS große Ding.

 

Es wurde in alle möglichen Unternehmen investiert, die eigentlich nur rote Zahlen schrieben, aber mit diesem „Internet“ irgendwas zu tun hatten. Auch die seit 1996 ausgegebene Telekom-Aktie gehörte im Grunde zum Universum der New-Economy-Euphorie, und bildet quasi einen Klassiker der deutschen Privatanleger-Geschichte: An der damals als "Volksaktie" beworbenen Telekom-Aktie haben sich viele die Finger verbrannt. Manfred Krug, der damals für die Aktie warb, hat sich später übrigens dafür entschuldigt. Der arme hat das echt bereut. 

 

Viele investierten in "New-Economy" Unternehmen in der Erwartung, dicke Gewinne zu machen.

Aber die Blase platzte. Zu hohe Erwartungen stießen auf zu wenig Wert und Potential hinter vielen Unternehmen. Statt Gewinne mitzunehmen, mussten Verluste realisiert werden. Es war einfach klar, dass sich viele der neu gegründeten „Internet-Unternehmen“ nicht mehr erholen würden. Ein Verkauf, und somit die Realisierung des Verlusts, war hier die einzige Option.

 

Viele Unternehmen der „alten“ Economy hingegen schafften den Sprung ins neue Zeitalter, indem sie rechtzeitig auf das Internet reagierten und in neue Technologien investierten. Alt Bewährtes mit echtem Wert und Innovationen schlug Neues im bloßen Gewand der Innovation. Hatte man damals investiert, und zwar in die "alte" Economy oder mit Glück in neue, wirklich innovative und Finanzstarke Unternehmen, und dann einfach abgewartet, so konnte man sich ein paar Jahr später wieder über Gewinne freuen. Es war eine Blase, die nicht von Dauer war, aber die Spreu vom Weizen trennte. 

 

Nun, die Dotcom-Blase ist ein Negativbeispiel, dass uns vor allem eines lehrt: besser nicht auf Branchentrends und einzelne Aktien setzen, sondern möglichst viele verschiedene Aktien aus verschiedenen Branchen und Regionen zu erwerben.

 

Es muss demnach noch nichtmal eine platzende Blase sein, mit der dein Geld versenkt wird. Es kann auch das Setzen auf zu wenig unterschiedliche Unternehmen sein. Es kann alles mögliche mit Einzelunternehmen passieren. Wir können halt nicht in die Zukunft sehen.

Hätte, hätte. Wäre, wäre. 

Facebook, Amazon, Apple, Netflix, Google, kurz FAANG. Hättest du früher in diese Unternehmen investiert, weil du absolut davon überzeugt gewesen wärst, dass die das Rennen auf jeden Fall machen und diese absurde Markmacht entwickeln - ja, dann wärst du heute gechillt unterwegs (je nachdem, wie viel du investiert hättest).

 

Hast du aber nicht. Warum? Weil du insgeheim ein sehr gesundes Risikobewusstsein hast. Es fühlt sich schon falsch an, alles auf ein Karte zu setzen. Damit macht man zwar richtig Kohle, aber es können auch richtig Verluste draus werden. Risiko: Je höher das Risiko, desto höher ist deine Prämie - oder dein Verlust. 

Kursschwankungen sind normal

Was dir klar sein muss ist die Existenz von Volatilität. Das ist es letztendlich, was du mit den "echten" Risiken verwechselst, um es mal einfach auszudrücken.

 

Volatilität meint die Schwankung der Aktienkurse, und die können ein reiner Nervenkrieg sein, wenn man die Sache nicht richtig angeht. Am besten machst du dir direkt ein Bild über die Bedeutung von Volatilität im Zusammenhang mit verschiedenen Zeithorizonten, indem du direkt einen Blick darauf wirfst. Hier kommst du zum Chart des DAX bei Onvista (Mit dem Safari-Browser funktionieren die Charts bei mir nicht). Stand des Charts unten: 05.05.2018.

Unter dem Chart siehst du die Wertentwicklung innerhalb verschiedener Zeithorizonte. Ganz links findest du die Angabe "Intraday", was die Kursentwicklung eines Tages meint, und ganz rechts kannst du auf den Balken "MAX" klicken, woraufhin die Entwicklung seit Existenz des Indizes angezeigt wird (oder der Aktie, je nachdem, was du betrachtest).

 

Du siehst schon auf den ersten Blick: je mehr du zeitlich quasi rauszoomst, desto anders sehen die Schwankungen aus, und meistens relativieren sie sich in langfristigen Zeiträumen. Es gibt Werte, die mehr schwanken als andere, und daher als risikoreicher eingestuft werden.

 

Es kann gut sein, dass ein Kurs in den letzten drei Monaten fies abgeschmiert ist, sich aber auf ein ganzes Jahr betrachtet, total gut entwickelt hat (oder umgekehrt).

 

Die Prämie dafür, dass du dieses Risiko der Kursschwankungen in Kauf nimmst, erhältst du in Form von Kursgewinnen. Es gibt Aktien, deren Kurse stark schwanken, also weit nach unten und oben ausschlagen. Die sind aufgrund der starken Schwankungen eben riskanter als solche, die weniger stark volatil sind. Aber neben dem Risiko des starken Kursverlustes hast du eben auch die Chance des starken Kursanstiegs. Deine Prämie ist bei höherem Risiko also höher.

 

Langfristig war es historisch betrachtet so, dass die Kurse in ihrer Gesamtheit gestiegen sind. Es gab also nach einem All-Time-High (dem höchsten, je erreichten Preis einer Aktie), immer wieder ein All-Time-High. Zwar gibt es zwischendurch Kursabstürze durch bestimmte Einflüsse und Krisen, aber letztendlich: immer wieder ein All-Time-High, auch nach jeder Krise. Die Kurse klettern langfristig immer weiter.

 

Wenn du kurzfristig auf Aktienkurse wetten willst, bist du natürlich abhängig von der kurzfristigen Entwicklung, d.h. von der Volatilität. Aber das ist ganz schön viel Nervenkitzel, riskant und recht zeitintensiv.

 

Bequemer machst du es dir, wenn du langfristig, d.h. mindestens 15 Jahre, dein Geld anlegst, und dich nicht um die Volatilität scherst. Damit kannst du etwaige Krisen aussitzen, und freust dich über Kursgewinne aufgrund des nächsten All-Time-Highs. Langfristig kann es sich enorm lohnen, Kurstiefs entspannt auszusitzen. Bis zum heutigen Tag konnte man mit einer Laufzeit von mindestens 15 Jahren mit durchschnittlich 8% Rendite pro Jahr nach Hause gehen, wenn man breit gestreut in Aktien investiert hat. 

 

Volatilität bedeutet also nicht gleich Totalverlust. Schwankende Aktienkurse scheinen spektakulär, aber im Grunde sind sie ganz normal. Wenn man richtig mit ihnen umgeht und strategisch langfristig investiert, kann man sogar von ihnen profitieren. Wichtig ist: Du kannst Schwankungsrisiken und andere Risiken minimieren, indem du dein Aktienportfolio breit diversifizierst: Setze auf so viele Pferde wie möglich. Mit ETFs kannst du das sehr kostengünstig tun. Du kannst in die besten Unternehmen der Welt aus den verschiedensten Branchen investieren, und das schon ab 25 Euro pro Monat.

 

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