Exchange Traded Funds (ETFs) – Warum die Dinger "börsengehandelt" heißen

Ganz von vorne

Fangen wir von vorne an. Exchange heißt wörtlich übersetzt Wechsel/Austausch. Stock Exchange ist im Englischen das Wort für Börse. Die Börse ist ja quasi eine Wechselstube, also ein Ort, an dem Wertpapiere ausgetauscht werden.  Stock heißt heutzutage Wertpapier (z.B. Aktien). Ganz früher meinte man damit eher ein Lager und Vorräte. Die Börse in New York heißt z.B. New York Stock Exchange, die Londoner Börse heißt London Stock Exchange. Oki?

 

Traded heißt gehandelt, und Fund heißt Fonds. Was ein Fonds ist, weißt du vom Hörensagen. Das ist quasi ein Korb voller Aktien, von dem du einen Anteil kaufen kannst.

 

So, damit wären dann bei Exchange Trade Funds, also ETFs, also zu Deutsch: börsengehandelten Fonds. 

 

Warum "börsengehandelt"?

Aber Aktien handelt man doch sowieso an der Börse, warum heißt es denn trotzdem börsengehandelt in "börsengehandelte Fonds"?

 

Um das zu verstehen, sehen wir uns Fonds im Allgemeinen an. Grundsätzlich machen Fonds Sinn, denn je breiter man das eigene Portfolio diversifiziert, d.h. je mehr verschiedene Bestandteile es hat, desto besser kann man das Kursrisiko minimieren. Anders gesagt: Nicht alle Eier in einen Korb.

 

Das ist im Grunde wie mit der Ernährung. Je mehr verschiedene Obst- und Gemüsesorten du zu dir nimmst, also je ausgewogener du dich ernährst, desto besser minimierst du das Risiko krank zu werden. Nach diesem Prinzip solltest du auch bei der Geldanlage vorgehen, und vor allem mit deinem Aktien-Portfolio. Wie viele verschiedene Aktien, fragst du? Sagen wir mal so: Ein ETF All Countries World deckt über 2400 Unternehmen weltweit ab. So viele verschiedene Aktien, sag ich. Kauf dir die Welt, Baby.

 

Halten wir fest: Fonds = breite Streuung durch eine Vielzahl verschiedener Aktien = gut.

Aktive Fonds im Unterschied zu börsengehandelten ETFs

Früher war es ausschließlich so: Diesen breit gestreuten Aktienkorb, den du gut für dein Portfolio gebrauchen kannst, konntest du lange nur bei einer Kapitalanlagegesellschaft, kurz KAG, kaufen, und zwar gegen einen Ausgabeaufschlag, der nichts anderes als eine Kaufgebühr ist.

 

Eine KAG ist eine Fondsgesellschaft, die Fonds verwaltet. Das heißt, bei der KAG sitzen die Leute, die sich bestimmte Strategien für einen Fonds ausdenken, und sich darum kümmern, dass sie möglichst optimal umgesetzt werden, indem man Aktienanteile kauft, verkauft und auf diese Weise neu gewichtet. Normalerweise gehst du nicht zu dieser Fondsgesellschaft, sondern du kaufst Anteile eines Fonds bei deiner Bank. Es führt aber letztendlich kein Weg an der Fondsgesellschaft vorbei, denn ihr gehört so ein Fonds ja schließlich.

 

Die Bank war und ist nur die Mittlerin bei der ganzen Geschichte. Sie streicht sich aber einen guten Teil des sogenannten Ausgabeaufschlages ein, den zu dafür zahlen musst, dass du dein Geld in den Fonds investierst. Das können bis zu 5,5 % des Anlagebetrages sein. Das heißt, wenn du 10.000 investierst, bist du direkt mal 550 Euros los, die du der Bank quasi vor die Füße wirfst. Du kannst Geld ja schließlich scheißen, ne?

 

Die Bank vermittelt dir einen solchen Fonds aufgrund dieser Provision natürlich gerne. Mittlerweile gibt es aber auch für aktive Fonds genügend Wege, diesen teuren Ausgabeaufschlag zu umgehen. Über Fondsvermittler kann man 100 % des Ausgabeaufschlages sparen. Der wichtigste Unterschied ist jedoch, dass ETFs viel günstiger in den laufenden Kosten sind, was sich langfristig sehr positiv in der Rendite auswirkt.

 

Der Unterschied zwischen „normalen“ Fonds und ETFs sowie die Erklärung dafür, warum die Dinger börsengehandelt heißen: ETF´s waren von Beginn an so konzipiert, dass man sie jederzeit an der Börse kaufen und verkaufen kann, was man ja nun unschwer an ihrem Namen erkennt. Wofür das gut sein soll?

 

In erster Linie hat das den Vorteil, dass man ETFs wie Aktien jederzeit kaufen und verkaufen kann. Bei traditionellen Fonds ist das nämlich nicht unbedingt der Fall. Für sie wird zudem nur einmal am Tag ein Preis festgemacht, im Gegensatz zu ETFs, für die es jederzeit Preisfeststellungen gibt.

Das ist so, als würde Der Eiermann auf dem Wochenmarkt jeden Tag seine Eier verkaufen und alle Leute anschreiben lassen, aber den Preis, zu dem zu kaufst, würde er irgendwann zwischendurch am Mittwoch mal erwähnen. Du wärst dann gar nicht laufend über den Eierpreis informiert. ETFs bieten dir durch ihre Handelbarkeit an der Börse Liquidität und damit stabile Preise und Flexibilität.

 

Indexfonds vs. ETFs

So, und vielleicht ist deine Verwirrung nun komplett, denn du hast noch nix von Indexfonds gelesen, obwohl ETFs als Indexfonds bezeichnet werden, weil sie in den meisten Fällen einen Index abbilden. Concentration, please: 

 

Es ist so: Indexfonds sind nicht zwingend ETFs, also börsengehandelt. Es sind Fonds im klassischen Sinne, die zwar passiv einen Index abbilden, aber nicht wie ETFs börsengehandelt sind, sondern Fonds in ihrer ursprünglichen Form. 


Jedoch werden ETFs sehr häufig mit Indexfonds gleichgesetzt. Du hast aber nicht immer einen Indexfonds vor dir, wenn du einen ETF kaufst, denn es gibt mittlerweile die verschiedensten Arten von börsengehandelten ETFs. 

So, was du wahrscheinlich kaufen wollen wirst, ist ein börsengehandelter Indexfonds, also einen ETF, der tatsächlich einen Index abbildet. Keine Sorge, die sind leicht zu erkennen, sobald du dich etwas eingearbeitet hast.

 

In den USA sind Indexfonds übrigens populärer. Dort wurden sie auch erfunden. Der Vater der Indexfonds ist John Bogle. Wenn du dich näher für Indexfonds interessierst, und vom Master himself dazu lesen möchtest, dann wäre das Buch: "Das kleine Handbuch des vernünftigen Investieren" von Bogle das richtige. 

Fondsvermittler

Wie der Name schon sagt, handelt es sich um Vermittler. Sie haben mit den KAG spezielle Konditionen für sich und ihre Kunden ausgehandelt. Das Depot legt man bei einer Partner-Depotbank des Fondsvermittlers an (das entspricht dem Prinzip des Sondervermögens, d.h. das Geld liegt geschützt bei einer Depotbank, getrennt von Fondsverwaltung oder -vermittlung). Achtung, wie bei allem musst du auch hier auf Gebühren achten. Du kannst theoretisch auch ETF´s über eine Fondsvermittlung kaufen, aber dann musst du wie immer prüfen: was kostet die Transaktion und was kostet ggf. die Depotführung. 


Fondsvermittler brauchst du aber nicht, wenn du in ETFs investiert: da sie börsengehandelt sind, kannst du sie ganz einfach bei deiner Bank per Online Banking kaufen. Über einen Fondsvermittler hättest du keinen Vorteil.

 

Allerdings: Bei Fondsvermittlern kann man ETF-Sparpläne für Vermögenswirksame Leistungen anlegen, falls man diese vom Arbeitgeber bekommt (als VL oder VWL abgekürzt). Das geht nämlich wiederum oft nicht über deine Bank. Falls du also ein paar Euro VL bekommst, kannst du sie auf diesem Wege in Aktien investieren.

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